Tumoreigenschaften, Tumorinhalte und ihre s.g. Wertungen

Lena
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Tumoreigenschaften, Tumorinhalte und ihre s.g. Wertungen

Beitragvon Lena » 17. Feb 2014, 11:22

Tumoreigenschaften, Tumorinhalte und ihre s.g. Wertungen

E-Cadherine sind in malignen Brusttumoren in der Regel inaktiviert (also negativ)

Cadherine (Calcium adhering) sind von Calciumionen (Ca2+) abhängige transmembrane 'Glykoproteine' aus der Gruppe der Adhäsionsproteine. Sie bewirken Zellkontakte in verschiedenen Geweben. Die Cadherine spielen u.a. eine Rolle bei der Stabilisierung von Zell-Zell-Kontakten und der Erhaltung der Zellpolarität.

Mit Hilfe der Kryoelektronentomographie gelang der Nachweis, dass die Stabilisierung durch fadenartige Adhäsionsproteine erfolgt, die aus den Zellmembranen herausragen und sich ineinander verhaken. Im Fortschreiten krebsartiger Tumore ist es das wesentliche epitheliale Cadherin.

E-Cadherin gilt als das Produkt des CDH1-Gens und wird im Verlauf der Embryonalentwicklung bereits im Blastomerstadium exprimiert und ist an der Kompaktierung der Blastomere beteiligt. E-Cadherin befindet sich in allen Epithelien, unabhängig davon, ob diese aus Ekto-, Meso- oder Entoderm entstehen.


"In der Mehrzahl humaner Karzinome ist der Verlust von E-Cadherin auf eine verminderte Transkription des CDH1-Gens durch Promotormethylierung oder eine veränderte Regulation durch Transkriptionsfaktoren zurückzuführen. In einigen Tumorarten wird E-Cadherin auch durch Sequenzmutation des CDH1-Gens inaktiviert. Hierbei handelt es sich vor allem um Magen- und Mammakarzinome. Inaktivierende Mutationen von CDH1 werden vor allem in solchen Tumoren gefunden, in denen sich die Tumorzellen diffus und weitgehend vereinzelt ausbreiten."

"Wie bei anderen Tumorsuppresorgenen führen die meisten Mutationen von CDH1 zu einem vorzeitigen Kettenabbruch beziehungsweise zum Verlust größerer Proteinabschnitten. Die meisten Mutationen führen zu einem Kettenabbruch und resultieren in sezernierten E-Cadherin-Fragmenten. Dies erklärt, warum E-Cadherin im Tumor nicht mehr nachweisbar ist. Das Fehlen von E-Cadherinen durch karzinogene Mutation, führt zu einer ineffektiven Bindung unter den Tumorzellen, wodurch sich Karzinomzellen ablösen und durch den Blutstrom oder Lymphabfluss in weite entlegene Körperregionen getragen werden können, in denen sie Metastasen ausbilden können. Wie Versuche an Mäusen, bei welchen dieses Gen ausgeschaltet wurde, zeigten, ist die Abwesenheit von E-Cadherin nicht mit dem Leben vereinbar. Die Embryonalentwicklung endet bereits vor dem Stadium der Blastozyste. N-Cadherin defiziente Mäuse sterben im embryonalen Stadium am Tag 9 oder 10, da die Differenzierung einzelner Gewebe wie z. B. des Herzens nicht stattfindet."

Es wird gesagt, dass allen Cadherinen mehrere extrazelluläre Cadherin-Domänen (ECs) gemein sind. Eine EC ist ca. 100 Aminosäuren lang und gilt als 'evolutionär sehr konserviert'. Sie besitzt negativ geladene Sequenzmotive, welche Calciumionen-abhängige, homophile Bindungen vermitteln. Über kurze, ca. zehn Aminosäuren lange Linkersequenzen wiederholen sich diese ECs tandemartig zwischen 5- bis 34-mal, wobei die ECs beginnend am N-terminalen Ende durchnummeriert werden.

Die Interaktion dieser Cadherinmoleküle auf die einander gegenüberliegenden Zellen (trans-Interaktion) kommt durch die N-terminalen Domänen der Zellen zustande. Diese Bindungen sind normalerweise proteinspezifisch (homophil), das heißt ein E-Cadherin einer Zelle kann nur an ein E-Cadherin einer anderen Zelle binden, jedoch nicht z.B. an ein N-Cadherin.

M. Conacci-Sorrel u. a.: The cadherin-catenin adhesion system in signaling and cancer. In: Journal of Clinical Investigation. 2002.
Hochspringen W. J. Nelson, R. Nusse: Convergence of Wnt,{beta}-catenin, and cadherin pathways. In: Science. 2004.


In den USA gilt die E-Cadherin-Expression als Bio-Prognose-Marker für Brustkrebs.
Int J Health Sci (Qassim University) 2007 Januar, 1 (1):. 43-51.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3068666/

"Unter den neuen Prognosemarkern, ist das E-Cadherin ein Calcium-abhängig epitheliales Zelladhäsionsmolekül. Sein Fehlen/Verlust wird mit der Metastasenbildung in Verbindung gebracht.

Die Studie von 2001 bis 2006 im King Fahd Specialist Hospital, Qassim Universität in Saudi Arabien umfasste 54 Patientinnen mit Brustkrebs. Die durchschnittliche Tumorgröße betrug 3 cm. 50 Patientinnen (92,6%) hatten ein invasiv duktales Karzinom, vier Patientinnen hatten ein lobuläres Karzinom und die meisten waren im 2. Stadium (82%), Stufe II (48%), und die Mehrheit der Patientinnen hatten positive axilläre Lymphknoten (70,3%).

Repräsentative Ausschnitte aus Formalin-fixierten Paraffin eingebetteten Gewebeblöcke wurden aus den 54 Fällen von Brustkrebs genommen und wurden von immunhistochemischen Technik (monoklonale E-Cadherin (NCL-E-cad), Novocastra) für E-Cadherin-Expression gefärbt. Alle lobulären Karzinom-BK-Patientinnen waren negativ für die membranöse Expression von E-Cadherin, während 72% der invasiv-duktalen Karzinome positiv auf den Marker waren, um dadurch Hinweise auf seine Rolle als Unterdrücker zu geben.

Trotz der derzeit zahlreich verwendeten prognostischen Indikatoren in den Untersuchungen, ist es unmöglich, das Ergebnis bei einer einzelnen Patientin vorherzusagen."

Dies zur Info gegen allzuviel Panikmache mit den Biopsie-Befunden.
Die Welt ist voll von geheilten, einst austherapierten Krebspatienten mit Metastasen - auch und selbst dann noch - wenn diese nach wie vor keine Anerkennung in den Onkologien dieser Welt finden.

Lieber Gruß Lena
"Weißt du, dass die Bäume reden? ... Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst." (Taganga Mani, Stoney)

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