Die Therapiegrenzen der Photonenbestrahlung

Lena
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Die Therapiegrenzen der Photonenbestrahlung

Beitragvon Lena » 7. Nov 2014, 11:13

Teilchenbestrahlung: Die Methode begeistert die Investoren mehr als die Ärzte.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46502944.html

"Fasziniert verfolgen die Krebsärzte die Protoneneuphorie.
"Da herrscht Goldgräberstimmung", meint Peter Huber, Leiter der Strahlentherapie am Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Und Urs Martin Lütolf, Radioonkologe am Universitätsspital Zürich, staunt: "Unglaublich, wie viel Geld da lockergemacht wird."

Auch bei Lütolf haben die Investoren angeklopft. Doch ausgerechnet er, ein Pionier der Protonentherapieforschung, winkte ab. "Ich habe denen gesagt: ,Das kann sich nicht rentieren.'"

Denn die Begeisterung über die neue Krebstherapie hat vor allem die Ökonomen, weniger die Wissenschaftler und Ärzte erfasst. "Aus meiner Sicht ist diese Menge an Zentren völlig irrational", sagt Huber. "Ich kann mir das nur so erklären, dass Männer große, teure Maschinen einfach toll finden - so, wie große, teure Autos." Auch Lütolf zieht gern den Autovergleich: Die derzeitige Protonengläubigkeit erinnere ihn an den Allradboom auf den Straßen: Die meisten Leute brauchten zwar keinen der Geländewagen. "Aber viele wollen ihn trotzdem - zur Verbesserung ihres Wohlgefühls."
Ist die Protonentherapie also eher eine Luxusbehandlung für Privatpatienten und zahlungskräftige Kunden, die vermutlich nicht selten aus dem Ausland kommen werden?

Die Theorie - gezieltere Bestrahlung, weniger Schädigung des umgebenden Gewebes - ist zwar bestechend. Doch wirklich belegt ist die Überlegenheit von Protonen gegenüber den konventionellen Strahlen bislang nur in vier Fällen: bei Tumoren des Rückenmarks, bei Knorpeltumoren an der Schädelbasis, bei bösartigen Veränderungen der mittleren Augenhaut und bei Blutgefäß-Fehlbildungen im Gehirn, die nicht operiert werden können. Nur bei diesen Diagnosen müssen die gesetzlichen Krankenkassen bislang die Kosten einer Behandlung übernehmen.

:GS33 Als mögliche Klientel gelten zudem Kinder und junge Erwachsene. Denn bei ihnen ist die Gefahr besonders groß, dass sie 20 oder mehr Jahre nach einer konventionellen Bestrahlung durch die Schäden im ursprünglich gesunden Gewebe an einem neuen Tumor erkranken.

Nur eines haben all die ins Auge gefassten Patientengruppen gemein: Sie sind vergleichsweise klein.
In maximal 10 000 Fällen pro Jahr dürfte in Deutschland eine Protonentherapie sinnvoll sein. Rinecker jedoch will allein an seinem Münchner Zentrum alljährlich bis zu 4000 Tumorpatienten mit seinem Teilchenstrahl behandeln. "Ich weiß gar nicht, wo die Patienten für all die anderen geplanten Zentren herkommen sollen", sagt Lütolf deshalb.

"Vor fünf Jahren", sagt Lütolf, "konnten die Protonen Dinge, die die Strahlentherapie damals nicht konnte." Inzwischen jedoch gebe es eine neue Form der konventionellen Strahlentherapie, die sogenannte intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT). Mit dieser Methode könne man genauso wie bei der Protonentherapie Volumina beliebiger Form bestrahlen, also etwa bei einer Prostatabestrahlung den Enddarm gezielt verschonen.

Um die enormen Mehrkosten der Protonen- und Schwerionentherapie (etwa 18 000 Euro pro Zyklus gegenüber 3000 bis 4000 Euro bei der IMRT) möglicherweise einmal durch eine bessere Wirksamkeit der neuen Methode zu rechtfertigen, ist daher noch viel Forschung notwendig."


Wie sieht das heute aus mit den lukrativen Krebsindustrie-Investment-Fonds?

Lieber Gruß Lena
"Weißt du, dass die Bäume reden? ... Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst." (Taganga Mani, Stoney)

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