Krankheit als Lebensinhalt

Lena
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Krankheit als Lebensinhalt

Beitragvon Lena » 13. Sep 2013, 00:33

Krankheit als Lebensinhalt - Erfahrungen eines ärztlichen Experten bereits im Jahre 1971 - Prof. Dr. med. Arthur Jores, Hamburg

Sein Fazit für Patienten ist identisch mit den Empfehlungen von Clemens Kuby:

"Auch der Patientin, von der ich eingangs berichtete, habe ich zunächst einmal den Rat gegeben, und das ausführlich mit ihr besprochen, zu versuchen, sich nicht mehr um die vorhandenen Beschwerden zu kümmern und so zu tun, als wenn sie gar nicht existierten.
Darüber hinaus wurde selbstverständlich besprochen, welche Möglichkeiten es gibt, ihrem Leben jetzt noch einen wirklichen Inhalt zu geben. Aber es ist sehr schwer, solchen Patienten zu helfen.
:arrow: Nur wenn das Leben plötzlich wieder eine harte und unabdingabre Forderung stellt, ist der ganze Teufelsspuk der Krankheitssymptomik dahin."


Letzteres war bei mir persönlich der akute Fall. Ich erlaubte mir in dieser Not weder Zeit für mich selbst. Dadurch brachte ich mich um die Möglichkeit meiner Diagnose die 'übliche' Priorität einzuräumen.

Folgende Feststellung der verhängnisvollen Fehlentwicklung des modernen Menschen hat sich ebenfalls seither mit bewahrheitet:


"Das Leben des heutigen Menschen ist vielfach eintönig und stellt keinerlei Forderungen mehr. Es gibt keine echten Erlebnisse mehr, es gibt kein Abenteuer.
:| Alles ist geordnet und geregelt und läuft in den ewig gleichbleibenden Bahnen ab. Erfülltes Leben, Leben, an das Forderungen gestellt werden, ist der beste Garant für die Gesundheit.
So ist es verständlich, warum Notzeiten gesund sind.
Auch unsere Patientin überstand den Verlust ihres Gutes (als Gutsbesitzerin eines großen Hofes in Pommern) wie ihrer gesamten Habe gut und meisterte die Zeiten der Not.
Die Krankheit begann, als das Leben ihr keine Aufgaben mehr stellte.

:GS29 Die einzigen Abwechslungen, die der heutige Mensch noch erfährt, werden ihm durch den Kriminalfilm, das Fernsehen und die Sensationspresse vermittelt.
Aber leider nimmt er an all diesen Dingen nur in der Passivität und allenfalls in der Identifikation, aber nicht in der Wirklichkeit teil.

So werden leicht die Krankheit und ihre Folgen zu dem einzigen wirklichen Abenteuer des Lebens."


Diese Vor'Aussagen bestätigen sich gerade heute, besonders in den von Dr. Jores beannten Hypnose-Medien - in überdimensional übersteigert ablaufender Präsens - in der Rangordnung: 1. Stelle Pharma-Werbung noch vor Konsum und Luxus, sowie den Krimis im fortlaufenden Programmangebot.
Prof. Dr. Jores erkannte noch ein weiteres, wichtiges Hauptkriterium für die EIGENE ERKRANKUNG:


"Wie anders würde es sich sonst erklären, daß es so viele Menschen gibt, die mit großer Begeisterung von ihrer Krankheit erzählen?

In den Wartezimmern der Ärzte, in den Badeorten, in der Eisenbahn, in der Straßenbahn, beim Kartenspiel, immer wieder hört man ausführliche und breite Schilderungen all der Dinge, die sich bei der Krankheit ereignet haben.
Ausführlich wird von der Gefährlichkeit gesprochen, von den Operationen, die im letzten Augenblick das Leben gerade noch eben rette, alles so, wie früher die Menschen berichteten von den wirklichen Gefahren und Abenteuern des Lebens, die sie bestanden hatten.
Hier liegt die große Gefahr, insbesondere der Kurorte und Sanatorien, weil das Gespräch über die Krankheit dort nicht abreißt.
Je mehr solche Menschen über die Krankheiten der anderen hören, desto größer wächst die Gefahr, daß auch sie eines Tages die Symptome, von denen sie hörten, entwickeln."


Heute wird jeder Arztbesuch und jeder Besuch einer Klinik zu dieser Hyperchonder-Gefahr, indem dem Patient beinahe versichert wird, dass etwas an Befund gefunden wird. Fazit: zellprogrammierte Erwartungshaltung. Hier erkennt der Analytiker gleichzeitig die wirkliche Gefahr der Manifestierung von Krebs im Körper erst geerdet durch die Nachsorge-Untersuchungen.

"Man wird verstehen, daß eine solche Einstellung der Krankheit gegenüber dann auch wiederum der Heilung hindernd im Wege steht.

:GS50 In solchen Fällen werden die einzelnen Symptome immer genau beobachtet und registriert, und jede Äußerung, die jemals ein Arzt darüber gemacht hat, haftet im Gedächtnis. Sie wird allen denen, die es hören oder auch nicht hören wollen, genau berichtet.
Solche Kranke befinden sich in einem echten Teufelskreis, denn es gilt die Regel, daß alle Krankheitssymptome, auch Schmerzen, in dem Maße zunehmen, in dem man ihnen Aufmerksamkeit schenkt und sie beobachtet.
Je mehr man sich mit den Krankheitszeichen beschäftigt, desto schlimmer werden sie.

Es kommt eine große, kräftige, gesund aussehende Frau von 55 Jahren zu mir in die Klinik. ..., und so klagte sie noch über eine Vielfalt von anderen Symptomen. Es bestand aber kein von der Norm abweichender Befund. Das Krankheitsbild wurde verständlich aus ihrer Lebenssituation (s.o.).
Vor dem Kriege war sie Gutsherrin. Als solche konnte man sie sich gut vorstellen. Sie hatte vier Kinder. Ihre Ehe war nicht gut. Mit ihrem Manne passte sie nicht recht zusammen, aber es ging. Sie mussten aus Pommern fliehen, und ihr Mann fand im Westen eine bescheidene Existenz. Es kamen harte Zeiten. Unsere Patientin brachte aber die Familie durch.

Die Krankheit begann, als die jüngste Tochter das Haus verließ.
Jetzt war sie allein, ohne Lebensaufgabe, allein mit einem ungeliebten Manne. Ihr Leben hatte keinen Inhalt mehr. Nun wurde die Krankheit zum Inhalt.

Dies zu erkennen war nicht schwer, denn man brauchte nur zu hören, mit welcher Ausführlichkeit und Intensität sie jedem, der es hören wollte, ihre Symptome schilderte. Ihr ganzer unbewältigter Bestätigungsdrang hatte sich nun auf die Krankheit gelegt, die Krankheit war schlechthin zum Lebensinhalt geworden."


:GS42 Die erwiesen hypnotisierende Wirkung von TV-Pharma-Werbung bedient sich dieses Wissens über die Identifikationszwänge des in Schienen gelebten bis verlebten Konsumfaktor: Mensch und seiner Ängste.

Lieber Gruß
Lena
"Weißt du, dass die Bäume reden? ... Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst." (Taganga Mani, Stoney)

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Re: Krankheit als Lebensinhalt

Beitragvon Lena » 10. Okt 2014, 12:34

Lena hat geschrieben: Prof. Dr. Jores erkannte noch ein weiteres, wichtiges Hauptkriterium für die EIGENE ERKRANKUNG:
"Wie anders würde es sich sonst erklären, daß es so viele Menschen gibt, die mit großer Begeisterung von ihrer Krankheit erzählen? "
Neue, wenn auch recht neugierige Nachbarn, suchten sich mir vorzustellen und luden mich zum Schwimmen ein. Ich freute mich darauf, wußte um ihre unzügelbare Neugier und beschloss diesen Tag zu genießen.

Was mich auf der Autofahrt jedoch bedrängte, waren nicht die indiskreten Fragen, die später folgten, sondern das schwer gewichtig aufatmende Beteuern und pingelige Aufzählen all ihrer Krankheiten, die sie hat und hatte. Meine innere Stimme riet mir, darauf beharrlich zu schweigen, um es nicht weiter ausufern zu lassen. Das half erst einmal wenig, denn diese Trophäen-Tirade wiederholte sich auf mein Schweigen hin zwei weitere Male. Mein beharrliches Schweigen führte endlich dazu, dass ihr Mann ihr gebot zu schweigen.

Diesem enormen Potential an mangelnder Selbstliebe und Eigenliebe hätte ich auf dieser kurzen Fahrt nichts Hilfreiches entgegenzusetzen gehabt. Wer soll uns wahrlich lieben und Beachtung schenken, wenn wir es in erster Linie nicht selbst tun?

Unsere Körperzellen können nur dem an eigenem Bewusstsein, Fokussierung, Zuwendung oder Konzentration folgen, das wir davon selbst gefühlt, und dem wir uns gedanklich überzeugt selbst aussetzen.

Krankheit ist heute nicht mehr der 100% Garant für ein Mehr an (mangelender) Zuwendung (in der Einsamkeit unserer Überbevölkerung). Dazu dienlich ist sie jedoch immer noch im Bewusstsein des Einzelnen als solches verankert.

Unsere "Aber-"Rechtfertigungen: "Aber, aber ich habe doch, ich bin ..., meine ...heit", begleitet vom endlosen Zitieren der Symptome und ihrem Verlauf. Besonders beliebt innerhalb der Familie und ihrer Generationen-Verselbstständigung.

Die Körperzellen o.g. Nachbarin sind ihr bis heute dienlich. Offen verkündet sie neue Diagnosen und pro Jahr ermöglicht ihr ein Sturz einen liebsamen Krankenhausaufenthalt, mit den Ärzten, die noch viel mehr finden können.

Lieber Gruß Lena
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Re: Krankheit als Lebensinhalt

Beitragvon ralfdingo » 10. Okt 2014, 21:09

Ja lieber von einem neuen Foto erzahlen oder von einem schoenen Spaziergang oder einem schoenen Tag im Olivenhain oder am Strand am See bei freunden am Kamin, es gibt so viehl was uns umgiebt was es wert ist immer wieder erlebt zu werden dadurch das man es erzaehlt


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